Villa Zinggeler in Richterswil präsentiert sich nach Abschluss der Gesamtrenovation wieder wie 1893

12.09.2013 - Medienmitteilung

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Blick ins Innere der Villa Zinggeler in Richterswil

Die Industriellenfamilie Zinggeler prägte während rund 150 Jahren Richterswil. Im Juni 2010 brannte das geschützte Zwirnereigebäude an der Seestrasse vollständig aus. Dennoch bleibt die Ära Zinggeler in der Seegemeinde präsent: Das Wohnhaus, ein typischer Vertreter einer spätklassizistischen Fabrikantenvilla, wurde in enger Zusammenarbeit zwischen der kantonalen Denkmalpflege und dem Architekturbüro E. Wanger AG aus Rüschlikon renoviert. Die Arbeiten sind nun abgeschlossen.

Die zwischen 1891 und 1893 erstellte Villa wurde 2010 samt ihrer Umgebung ins überkommunale Inventar als Schutzobjekt von regionaler Bedeutung aufgenommen und unter Schutz gestellt. Nach Abschluss der Gesamtrenovation präsentiert sich die ehemalige Fabrikantenvilla wieder wie 1893.

Der Industrielle Rudolf Zinggeler-Syfrig hatte als Baumaterial den damals beliebten roten Backstein gewählt, den Verandavorbau und Balkon in Gusseisen errichtet und die ganze Villa, als erstes Wohnhaus in Richterswil, mit einer elektrischen Beleuchtung versehen lassen. Im Gegensatz zum schlicht gehaltenen Äussern zeugt das Innere vom Reichtum der Familie und von deren Ansprüchen an Repräsentation: echte (Obergeschoss) und aus Pappmaché imitierte (Erdgeschoss) Stuckdecken, Wände mit Marmor-Imitationen oder einer Vertäfelung mit Holzmaserierung. Selbst kleinste Details wie Fenster- und Türbeschläge oder die Eisenrosetten der früheren Warmluftheizung in den Wänden sind bewusst gestaltet und eingebunden.

Originalsubstanz nahezu unverändert erhalten

Diese Art der Ausstattung findet sich zwar auch andernorts und wirkt in ihren Einzelelementen oft reichhaltiger. Doch die besondere Bedeutung der Innenausstattung der Villa Zinggeler liegt darin, dass sie in ihrer Gesamtheit und in ihrer Originalsubstanz nahezu unverändert erhalten ist und ihre bauzeitliche Wirkung entfalten kann.

Die Gesamtrenovation der ehemaligen Fabrikantenvilla dauerte von 2009 bis 2013 mit dem Ziel, die Villa wieder als Wohnhaus zu nutzen. Die Fassaden wiesen nur geringfügige Veränderungen auf. Daher lag das Augenmerk auf der Entfernung von jüngeren Ergänzungen, wie Sonnenstoren oder der Aussenfluchttreppe aus dem Obergeschoss, und der Reparatur von schadhaften Stellen. Insbesondere die aus Sandstein gefertigten Treppen, die Bodenplatten sowie die Fenstergewände und -gesimse waren stark verwittert. Sie mussten teilweise ersetzt werden, wobei die Steinmetze den lokalen Zürichseesandstein verwendeten.

Unterschiedlich aufwändige Restaurierungsarbeiten

Die reichlich und in einem mehrheitlich guten Zustand erhaltene Ausstattung liess aus denkmalpflegrischer Sicht nur eine sanfte Renovation des Gebäudeinnern zu. Die beiden Wohngeschosse wurden in den ursprünglichen Zustand zurückgeführt. Die Restaurierungsarbeiten am Wandtäfer und den Stuckdecken gestalteten sich unterschiedlich aufwändig: Vor allem die Räume im Erdgeschoss waren durch den Clubbetrieb, der von 1994 bis 2007 dauerte, stark beeinträchtigt, während diejenigen im Obergeschoss teilweise noch ihre bauzeitliche Farbfassung aufwiesen.

Das Unter- und das Dachgeschoss hingegen erfuhren grössere Eingriffe: Im als Disco genutzten Keller wurden die jüngeren Einbauten entfernt, wobei die bauzeitlichen Eisenstützen erhalten blieben. Die ehemalige Winde wurde zu Wohnzwecken ausgebaut. Sie ist nun Teil einer grossen zweistöckigen Wohnung, welche sämtliche Räume des Ober- und Dachgeschosses umfasst. Auch das Erdgeschoss kann zu Wohnzwecken genutzt werden.

Blick ins Innere der Villa Zinggeler in Richterswil
Quelle: Kantonale Denkmalpflege, Baudirektion Kanton Zürich

(Medienmitteilung der Baudirektion)

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