Archäologische Rettungsgrabung Parkhaus Opéra: Regierungsrat erteilt grünes Licht für die Auswertung

28.06.2012 - Medienmitteilung

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Foto während einer Feingrabung

Die archäologische Rettungsgrabung beim Parkhaus Opéra hat bedeutende archäologische Funde ans Licht gebracht. Nach der Sicherung dieser urgeschichtlichen Zeugnisse durch die Stadt geht der Kanton die vom Gesetzgeber vorgegebene archäologische Auswertung an. Der Regierungsrat bewilligt für die damit verbundenen Arbeiten 5,8 Millionen Franken aus dem Natur- und Heimatschutzfonds.

Obwohl die geologischen und archäologischen Vorabklärungen im Vorfeld der Bauarbeiten am Parkhaus Opéra keine Hinweise auf grössere Kulturschichten ergeben hatten, mehrten sich ab September 2009 Hinweise auf eine umfangreiche archäologische Fundstelle der Pfahlbauten. Detailabklärungen zeigten rasch, dass die Bauarbeiter auf eine Fundstelle von hohem wissenschaftlichem und kulturellem Wert gestossen waren. In der Folge führte die Stadt Zürich vom 26. April 2010 bis 31. Januar 2011 eine Rettungsgrabung durch.

Auf einer Fläche von rund 3500 m2 förderte die archäologische Grabung umfangreiche Spuren von fünf urgeschichtlichen Siedlungen zu Tage. Unter den Fundstücken befinden sich herausragende Objekte, etwa eine 5000 Jahre alte Türe, ein menschliches Skelett aus dem 4. Jahrtausend vor Christus oder über 20 Pfeilbogen aus der sogenannten Horgener Kultur (3000 v.Chr.). Im fertiggestellten Parkhaus Opéra realisierte die Stadt Zürich ein «archäologisches Fenster», das der Öffentlichkeit Einblick in die ersten Ergebnisse der Rettungsgrabung gibt.

Dokumentation als Ersatz für nicht mehr im Boden enthaltene Kulturgüter

Nachdem die Sicherung der Fundstätte im Rahmen der Rettungsgrabung abgeschlossen wurde, stehen nun die von der Kantonsverfassung und vom Planungs- und Baugesetz vorgeschriebenen archäologischen Auswertungsarbeiten an. Da die archäologische Fundstelle beim Parkhaus Opéra durch die Rettungsgrabung notgedrungen zerstört wurde, gelten die Dokumentation und die Publikation der Ausgrabungsergebnisse als Ersatz für die nicht mehr im Boden enthaltenen Kulturgüter.

Die Auswertungsarbeiten werden unter Federführung der Baudirektion (Amt für Raumentwicklung, Kantonsarchäologie) durchgeführt. Die Stadt Zürich ist in die Projektorganisation einbezogen und leistet mit ihren Fachleuten Arbeiten im Auftrag des Kantons. Zudem unterstützt ein interdisziplinärer wissenschaftlicher Beirat die Auswertung. Zu den beteiligten Instituten gehört auch das Institut für prähistorische naturwissenschaftliche Archäologie Basel (IPNA), das kürzlich ein Lehrbuch über Pfahlbauarchäologie in der renommierten Oxforder Reihe «British Archaeological Reports» publiziert hat.

Die «Opéra» war die grösste Grabung einer jungsteinzeitlichen Fundstelle in der Schweiz während den letzten 15 Jahren. Die über 23‘000 Fundgegenstände, 28‘000 beprobten Bauhölzer und über 2000 naturwissenschaftlichen Proben liefern die Grundlage für eine umfassende Rekonstruktion der ehemaligen Dörfer und ihrer Umwelt. Die Kosten für die Auswertung betragen 5,8 Millionen Franken, verteilt auf mehrere Tranchen bis 2017. Der Regierungsrat bewilligt diese Ausgabe aus dem Natur- und Heimatschutzfonds. Die Ergebnisse über die bedeutungsvolle Fundstelle werden in einer Dokumentation für die interessierte Öffentlichkeit publiziert.

Der Regierungsratsbeschluss Nr. 653/2012 ist unter www.rrb.zh.ch verfügbar.

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Wie läuft die archäologische Untersuchung beim Parkhaus Opéra ab?

Phase I: Sicherung (abgeschlossen)

  • Vorabklärung, Sondierung
  • Rettungsgrabung (freilegen, dokumentieren, bergen, Proben entnehmen u.a.)
  • Bereinigung der Dokumentation (registrieren und katalogisieren der Fundgegenstände; Grabungsbericht ausarbeiten u.a.)
  • Informationsgehalt von Materialproben sichern, Konservierung der Funde

Phase II: Auswertung (2011-2017)

Die Auswertung verknüpft die auf der Ausgrabung gewonnenen Einzelinformationen und stellt sie zusammenfassend dar. Die Ergebnisse stehen der universitären Forschung zur Verfügung. Einzelschritte sind:

  • Vorauswertung 2011: Sichtung des Potentials der Funde und Befunde (als Grundlage für die Ausgabenbewilligung)
  • Auswertung der Befunde (ortsfeste Strukturen wie Schichten oder bauliche Reste)
  • Auswertung der Funde (mobile Gegenstände)
  • Naturwissenschaftliche Analysen
  • Zusammenfassende Darstellung aller Ergebnisse und Publikation

Die Publikation der Auswertungsergebnisse stellt – gemäss Kantonsverfassung und Planungs- und Baugesetz PBG – zusammen mit der Grabungsdokumentation den Ersatz des im Boden nicht mehr vorhandenen Kulturgutes dar.

Arbeitsaufnahme
Arbeitsaufnahme

Bogen
Bogen

Feingrabung
Feingrabung

Mauerprofil
Mauerprofil

Tür
Tür

(Medienmitteilung des Regierungsrates)

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